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ARTENFLORA

ZEITSCHRIFT

für

Grarten- und Blumenkunde

(Begründet von Eduard Regel.)

43. Jahrgang.

Organ des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den preussischen Staaten.

LIBRARY

Herausgegeben von ^BW YOt^K

80TANICAL

Dr. L. Wittmack,

Geh. Regierungsrat, Professor an der Universität und an der Königl. landwirtschaftl. Hochschule in Berlin, General-Sekretär des Vereins.

Mit 12 Tafeln und 111 Textabbildungen.

Berlin 1894.

Selbstverlag des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den preussisch. Staaten, N,, Invalidenstr. 42. In Kommission bei Paul Parey, Verlagshandlung für Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwesen,

S\V., Hedemannstrasse.

^n die lieser

JBRARY ,EW YORK

30TANICAL QARDEfS.

der „©arlenflora".

er im Jahre 1S22 begründete, unter dem Protektorate Sr. Maj. des Kaisers stehende Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den preussischen Staaten hat beschlossen, vom 1. Januar 1<S94 ab die bisher im Verlage des Herrn Paul Parey, Berlin, erschienene „Gartenflora", welche bereits seit 1887 das Organ des Vereins gewesen ist, nach freundschaftlicher Übereinkunft mit Herrn Parey, in eigenem Verlage herauszugeben. Die „Gartenflora" wird von jetzt ab auch die Verhandlungen des Vereins in ihrem Texte bringen und im Jahre 42 Bogen im bisherigen Format mit zahlreichen Abbildungen und durch- schnittlich 12 Farbentafeln umfassen. Während somit äusserlich wenig geändert wird, soll der Inhalt zufolge zahlreich geäusserter Wiänsche mehr den An- forderungen der Liebhaber und praktischen Gärtner entsprechend gestaltet werden, ohne dabei die Wissenschaft aus den Augen zu verlieren. Auch Mitteilungen aus anderen Vereinen sollen mehr als bisher gebracht werden.

Um alles dies erreichen zu können, ist eine rege Beteiligung unserer Leser als Mitarbeiter dringend erwünscht. Jede, auch die kleinste Mitteilung, soweit sie allgemeines Interesse hat, ist willkommen, lange Artikel sind möglichst zu vermeiden. Allen, welche Fragen zu stellen haben, empfehlen wir den Sprech- saal angelegentlichst; für sachgemässe Beantwortung soll nach besten Kräften Sorge getragen und überhaupt alles aufgeboten werden, um die nun in ihren 43. Jahrgang eintretende „Gartenflora" als ein des Vereins würdiges und be- lehrendes Organ erscheinen zu lassen.

Der Preis des Jahrganges ist von 20 M. auf 12 M. herabgesetzt. Man bestellt entweder direkt bei der Expedition, Berlin N., Invalidenstrasse 42, oder bei einer beliebigen Buchhandlung oder auch bei der Post (Zeitungsverzeichniss (So. 2443). Den kommissionsweisen Vertrieb durch den Buchhandel hat Herr f'-aul Parey, Berlin SW., Hedemannstrasse 10, übernommen.

Mitglieder des Vereins erhalten die „Gartenflora" unentgeltlich und >baben ausserdem freien Zutritt zu allen Ausstellungen des Vereins, Recht auf

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9 Incarvillea Delavayi Bur. et Franch.

unentgeltlichen Bezug von Samen und auf Benutzung der reichhaltigen Bibliothek. Der Mitgliedsbeitrag beträgt für Berlin und Umgegend jährlich 20 Mk., für das übrige Deutschland und Österreich 13 Mk., für die anderen Staaten 15 Mk. und ist an den Schatzmeister, Herrn Kgl. Hoflieferanten F. J. M. Plumpe, Berlin SW., Kochstrasse 12 einzusenden.

An die verehrten Mitglieder des Vereins ergeht die Bitte, recht thatkräftig zu seiner Vergrösserung durch Vorschlagen von neuen Mitgliedern beitragen zu \ vollen. Bei den grossen Aufgaben, die dem Verein obliegen, ist ein fortwährender Zuwachs aus den verschiedensten beteiligten Kreisen hoch erwünscht.

Alle Sendungen für die ,, Gartenflora", Manuskripte, Tauschexemplare werden unter der Adresse des Vereins:

Berlin N., Invalidenstrasse 42 erbeten.

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Incarvillea Delavayi Bur. et Franch.'^)

Hierzu Tafel 1398.

Wir geben auf Tafel 1398 die farbige Abbildung dieser neuen Einführung, von der wir schon in Gartenflora 1893 S. 153 u. 577 unter Beifügung von schwarzen Abbildungen gesprochen haben, nach dem Exemplar, welches im Kgl. bot. Garten zu Berlin blühte und von Herrn Garteninspektor Perring am 25. Mai 1893 den Mitgliedern des Ver. z. B. d. G. vorgeführt wurde. In- zwischen ist am 1. Dec. 1893 in der Revue horticole S. 544 auch eine farbige Abbildung nach einem Aquarell, welches Herr Maurice de Vilmorin von einem Exemplar in Barres (Loiret) aufnehmen Hess, erschienen.

Herr Maurice de Vilmorin war auch so freundlich, die Herren Bureau und Franchet zu veranlassen, dass sie uns die Originalbeschreibung schickten, welche enthalten ist in ihrer Arbeit: Plantes nouvelles du Thibet et de la Chine occidentale etc., Extrait du Journal de Botanique 1891, S. 39 des Sonder- abdrucks. Wir geben unter bestem Danke an die Verfasser die Beschreibung im Auszuge wieder:

Incarvillea Delavayi Bureau et Franchet sp. nov. Krautartig, aus- dauernd, glatt, Wurzel dick, wenig verzweigt, an der Basis knollen- oder spindel- ähnlich, dann verlängert und endlich schmal cylindrisch. Stengel einfach oder sehr wenig verzweigt, sehr kurz, aufrecht, unten schuppig, nach oben wenig beblättert. Blätter 2 5, fiederteilig, Abschnitte meist zahlreich, Blattstiel cylindrisch, gestreift, oberseits eng gefurcht, Seitenabschnitte meist wechselständig, oft mit dem Rande der Hauptrippe verwachsen, elliptisch oder ei-elliptisch, un- gleichseitig, am Rande gekerbt oder gezähnt, fiedernervig, Endabschnitt sehr veränderlich, eiförmig oder verkehrt eiförmig (auf hohen Bergen fehlen die seit- lichen Abschnitte). Schaft 2 8 blumig. Blütenstand traubig, die unteren ältesten Blumen von einander abstehend, die oberen ziemlich geknäuelt. Deck- blätter lang, lineal-lanzettlich, Kelch glockenförmig, 5-eckig, 5-nervig, 5-lappig,

*) Bignoniaceae. Benanntvon Jussieu nach d'Incarville, Jesuit, Missionär inPeking, f 12. Junil75' M.. Delavay, französischer Abt und Reisender in China.

Gartenflora 1894

laf. 1398

Heinrich Gaerdt f. 3

Lappen dreieckig, mit starkem Nerv, Krone rot, weit, trichterförmig, die Röhre innerhalb des Kelches cylindrisch, dann verbreitert und ausserhalb fast glocken- förmig. Lappen der Blumenkrone 5, so lang als der sichtbare Teil der Röhre. Staubbeutel sehr stumpf. Kapsel an der Basis vom bleibenden Kelch um- schlossen, 4-eckig, 2-klappig, hinten der Länge nach, vorn wenig oder un- ordentlich aufspringend. Samen schiefhängend, zusammengedrückt, verkehrt ei-kugelig, runzelig, geflügelt, graubräunlich, Naht schwärzlich.

China, Provinz Yun-nan, gesammelt von J. M. Delavay auf Wiesen am Gipfel des Berges Hee-Chan-men, oberhalb Lan-hong, auch an anderen Orten in 3000 m Höhe, auf Kalkboden.

Bureau und Franchet bemerken, dass diese Pflanze sich wesentlich von Incarvillea sinensis dadurch unterscheidet, dass bei letzterer die Kapsel nur hinten, wie eine Balgfrucht, aufspringt. Sie ist auch nicht 1- oder 2jährig mit dünnem verzweigten Stengel und schmalen oder eingeschnittenen Blättern wie I. sinensis Lam. und I. Olgae Reg., sie ist ausdauernd und wächst ungefähr wie die Primeln, d. h. sie hat einen kurzen Stengel, der einfach oder wenig \-erzweigt ist und oberwärts nach jedem Winter 4 5 Blätter und 1 oder 2 mehrblumige Blütenstiele treibt.

Nebenbei sei bemerkt, dass an demselben Ort Bureau und Franchet noch mehrere neue Arten von Incarvillea beschreiben, die aber noch nicht ein- geführt sind. Sie geben eine tabellarische Übersicht zur Unterscheidung aller Arten.

Wir haben es allem Anschein nach mit einer sehr schön und früh blühenden Staude zu thun, die hoffentlich bald mehr verbreitet wird. Ueber die Kultur ist schon Gartenflora 1893 S. 153 gesprochen, Herr G.-Insp. Perring hat sie einfach wie alle Topfstauden behandelt, Samen ist von Vilmorin, Andrieux et Cie., Paris, zu beziehen. L. Wittmack.

Heinrich Gaerdt f

Nekrolog von L. Wittmack,

Hierzu Abbildung 1.

Am 14. November 1893 ist ein Mann dahingeschieden, dessen Name in der Geschichte des deutschen Gartenbaues stets in hohen Ehren gehalten werden M'ird: der Königliche Gartenbaudirektor Heinrich Gaerdt, ein Mann, der aus den kleinsten Verhältnissen sich zu] einer hoch angesehenen Stellung auf- geschwungen.

Am 7. November 1813 zu Drebkau, Provinz Brandenburg, Kreis Kalau, geboren, erhielt er seine erste gärtnerische Ausbildung in den Gärten des Fürsten Lynar zu Lübbenau und machte dann weitere Studien, namentlich in der Landschaftsgärtnerei in den grossartigen Parkanlagen des Fürsten Pückler- Muskau. Im Jahre 1834 kam er 'am 1. März als Gehilfe in die Kunst- und Handelsgärtnerei des Herrn Ohm zu Berlin, wo er bis zum 1. März 1836 ver- blieb, um dann eine Stellunu" in der damals höchst bedeutenden Kunst- und

Heinrich Caerdt f.

Handelsgärtnerei von Louis Mathieu, Neue Grünstrasse 31, anzunehmen, die er bis zum 1. Januar 1838 inne hatte. Hierauf war er im damals Königlich prinzlichen Schlossgarten zu Bellevue unter der Leitung des Hofgärtners Brasch bis zum I.April 1842 thätig, und ging dann an den Königl. botanischen Garten, um imter der Leitung des Garten-Inspektors Otto seine Kenntnisse zu erweitern. wie er denn überall darauf bedacht war, seine Ausbildung durch Selbst- studium zu fördern. Hier war von 1839 1842 Ed. v. Regel thätig gewesen, mit welchem Gaerdt enge Freundschaft schloss. Indess seines Bleibens im botanischen Garten war nicht lange; der Wunsch, mehr selbständig thätig zu sein, veranlasste ihn, am 7. Oktober 1843 auszuscheiden und eine Stelle bei dem Kommerzienrat Dannenberger anzunehmen, dem er Garten und Glashäuser einrichtete. Hier entfaltete Gaerdt so ganz die ihm eigene Gabe, selbst die schwierigsten Pflanzen gut zu kultivieren, und von seinen Erfolgen legen am besten die vielen Preise Zeugnis ab, die er in dieser Stellung, welche er bis zum 1. Oktober 1854 i^^^ hatte, vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues erhielt. Ihre Zahl betrug in den 11 Jahren nicht weniger als 92. Hier führte er auch am 25. Juli 1846 die Auserwählte seines Herzens, Henriette Knabe, als Gattin heim. Aus dieser Ehe entsprossen 2 Kinder. Helene, jetzt Gemahlin des Herrn Stadtschulinspektors Dr. Zwick, und der noch jetzt in der Borsig'schen Maschinenfabrik thätige Ingenieur M. Gaerdt.

Kein Wunder, dass Gaerdts bedeutende Leistungen die xVufmerksamkeit des grossen Gartenfreundes, des Geh. Kommerzienrats August Borsig, auf sich zogen, und am 30. Juni 1854 wurde verabredet, dass Gaerdt am 1. Oktober die Leitung des Borsig'schen Gartens übernehmen solle. Aber schon am 6. Juli, wenige Tage nach dem Engagement, war der grosse Meister A-erschieden. So war es Gaerdt nicht mehr vergönnt, unter den Augen des Begründers jenes berühmten Gartens zu wirken. Er fand aber in dem Sohne, dem Geheimen Kommerzienrat Albert Borsig, einen ebenso begeisterten Blumenfreund, der die reichsten Mittel bewilligte, um den Garten immer mehr zu verschönern. Gar bald ward der Borsig'sche Garten eine der grössten Sehenswürdigkeiten Berlins, und das ist er auch nach dem Tode Albert Borsigs, der am 10. April 1878 erfolgte, geblieben, dank der Fürsorge der noch heute den Garten gleich ihrem Gatten so hochhaltenden Frau Geheimrat Anna Borsig, deren ältester Sohn ebenfalls ein begeisterter Gartenfreund ist.

In Anerkennung seiner Verdienste ward Gaerdt 1866 das Patent als Kgl. Garten-Inspektor, am 20. November 1878 sogar der Titel eines KgL Gartenbau- Direktors verliehen. Se. Maj. der König ehrte ihn am 18. Januar 1888 durch Verleihung des Kronenordens 4. Klasse, viele Vereine durch Ernennung zum Ehren- oder korrespondierenden Mitgiiede. Bis zum Jahre 1888, volle 34 Jahre, waltete er seines Amtes, ein leuchtendes Beispiel für die jüngere Generation, dann aber nahm er wegen Altersschwäche seinen Abschied, und die Familie Borsig bewilligte ihm zur Belohnung für seine treuen Dienste das volle Gehalt als Pension und die Weiterbenutzung seiner Wohnung. Sein Nachfolger Avard der schon unter Gaerdt im Garten thätige Herr Weidlich, der in gleichem Sinne die grösste Ehre darin setzt, den Garten als wahres Schmuckkästchen zu erhalten.

Schon früh, im Februar 1846, war Gaerdt in den Verein zur Beförderung des Gartenbaues eingetreten und hier bald eins der beliebtesten Mitglieder ge-

Heinrich Gaerdt f.

worden, alle erfreuend durch seine vorzüglichen Kulturen, seine grosse Pflanzen- kenntnis und sein freundliches Weseii. Vom Jahre 1873 bis 1882 bekleidete er die Stelle des zweiten stellvertretenden Direktors, von 1882 bis 1892 hatte er sogar die Ehre, das Amt des ersten Stellvertreters führen zu können; ausser- dem war er viele Jahre auch der ^"orsitzende des Blumen -Ausschusses. Im Jahre 1892 zog er sich von diesen Amtern zurück imd gleichzeitig auch von seinem Sitz im Kuratorium der Königi. Gärtner-Lehranstalt und Landesbaum- schule, dem er als Delegierter des ^'ereins 16 Jahre, von 1877 bis 1892 ange- hört hatte. Der Verein benutzte jede Gelegenheit, um dem A'erdienten Manne, der so treu an dem Verein hing, wie selten Einer, seine Dankbarkeit zu be- weisen. Im Mai 1874 erkannte er ihm die ^"ermeil-Medaille zu, die nur ver-

geben wird »für Förderung der Zwecke des Ver- eins durch allge- meine Förderung desGartenbaues«, am i.Oktoberi879 überreichte ihm eine Deputation des ^^ereins und der Gesellschaft

der Garten- freunde zur Feier seiner 25 jährigen Thätigkeit im Borsig'schen Gar- ten einen kost- baren Pokal. Am Abend dieses Ta- ges ward in den Räumen der Ber- liner Gewerbe- Ausstellung ein glänzendes Fest- mahl abgehalten, womit gleich-

Abb. 1. Heinrich Gaerdt.

zeitig die Ge- werbe-Ausstel- lung beschlossen wurde (Monats- schrift d. V. z. B. d. G. 1879,5.467), im Juni 1887 end- lich ernannte der Verein ihn zu seinem Ehrenmit- gliede.

Mehr als die meisten tüchtigen Praktiker war

Gaerdt aucli Schriftsteller, und eben weil er ein tüchtiger Prakti- ker Avar, sind alle seine Bücher aucli wahrhaft prak- tische Ratgeber. Anfangs mit dem

Gartendirektor Keide zusammen, später allein, gab

er verschiedene Auflagen von Wredow's Gartenfreund heraus, ein Werk, das man entschieden als die beste Anleitung, namentlich zur Kultur von Gewächshauspflanzen bezeichnen muss. Als die Liebe für wSchnitt- blumen im Winter erwachte, schrieb er sein Werk »Die Winter- blumen«, von dem er noch vom Sterbebette aus die zweite 1886 er- schienene Ausgabe auf die Herbst-Ausstellung des Vereins vom 9. 12. No- vember 1893 sandte. Seine Schrift »Die Aufl^ewahrung frischen 01)stes während des Winters« erlebte 1892 die 2. Auflage, und endlich legte er die ganze Summe seiner Erfahrungen als A^ereideter SacliA^erständiger in dem grossen Werke »Der Garten -Taxator« nieder. Zahllos fast sind seine Aufsätze, Avelche er in den Schriften des \'ercins und an anderen Orten veröffentlicht hat.

Zur Geschichte des Borsig'schen Gartens in Berlin.

Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues kann wahrhaft stolz darauf sein, dass dieser Mann, der für die ganze gärtnerische Entwickelung Deutsch- lands bahnbrechend gewirkt hat, sein Mitglied, ja sein Vorstandsmitglied war, und er wird ihm stets ein dankbares Andenken bewahren. Viele Mitglieder waren ihm eng befreundet, zwei aber standen ihm ganz besonders nahe: der Kgl. Hofgarten-Direktor Jühlke, dessen Tod unseren Gaerdt aufs tiefste be- wegte, und der Kgl. Ökonomierat Hoffmann, dem leider bei seiner goldenen Hochzeit am 5. Dezember 1893 die Freude nicht mehr ward, seinen treuen Freund an seiner Seite zu sehen. Gaerdt war ein Alann, der die Ideale hoch hielt, der, unbekümmert um Lob oder Tadel, die Ansicht vertrat, dass der Gärtner nicht nur Pflanzen ziehen möge um des eitlen Mammons willen, sondern dass es Tiel edler sei, auch schöne Schaupflanzen zu erzielen, alte vergessene Pflanzen an's Licht zu ziehen oder endlich seine INIeisterschaft in der Anzucht schwierig zu kulivierender Pflanzen zu zeigen. Der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein!

Und er selbst gab das beste Beispiel, namentlich in der Kultur der Neu- holländer, der Amaryllis, der Orchideen, der Palmen u. A. Wir können nichts besseres thun, als unmittelbar diesem Nekrologe ein hinterlassenes, von uns wenig verändertes Manuscript über den Borsig'schen Garten folgen zu lassen, das Gaerdt noch kurz vor seinem letzten Krankenlager auf unsere Bitten niederschrieb. Aus ihm geht so zu sagen stillschweigend die mannigfaltige Thätigkeit Gaerdf s im Borsig'schen Garten am besten hervor.

Zur Geschichte des Borsig'schen Gartens in Berlin.

Von H. Gaerdt. f Hierzu Abb. 2—6.

Die Gartenflora bringt 5 Ansichten aus dem Borsig'schen Garten zu Berlin, dem Garten, der in der Geschichte des Gartenbaues durch seine Eigenartigkeit sich einen besonderen Ruf erworben hat und der hoffentlich auch in Zukunft noch lange die Bewunderung auf sich ziehen wird.

Die Entstehung und Entwickelung des Borsig'schen Gartens steht im innigen Zusammenhange mit dem mächtigen Aufschwünge der Eisenbahn-Industrie, ins- besondere dem Locomotivbaue, auf den wir daher einleitend unsere Blicke richten müssen.

Das Vaterland unabhängig zu machen von der Einfuhr der für den Eisen- bahnbetrieb erforderlichen Maschinen, war der leitende Gedanke des mit allen guten Eigenschaften, mit scharfem Verstand und unerschütterlicher Willenskraft ausgerüsteten Geistes des Herrn Geh. Kommerzienrats August Borsig. Darum errichtete derselbe im Jahre 1837 eine den Zwecken entsprechende Maschinen- bauanstalt, aus welcher 1841 die erste Locomotive hervorging. Schnell ver- breitete sich der Ruf der Borsig'schen Maschinen und schon nach wenigen Jahren durchliefen die Dampfrosse seiner Werlvstätten über Millionen von Meilen, nicht nur im Vaterlande, sondern weit über die Grenzen des Vater- landes hinaus. Im Todesjahre des unvergesslichen Mannes, im Jahre 1854 ward die 500. Locomotive in der Anstalt vollendet. Das waren Resultate, deren keine ähnliche Fabrik, weder in England, Belgien noch Frankreich sich rühmen konnte.

Zur Geschichte des Borsig'schen Gartens in Berlin.

Es konnte nicht fehlen, dass nach den vielen geistii;'en Anstrengungen sich (Jeist und Körper nach Erholung sehnten, und um diesen Bedürfnissen nach- zukommen, erwarb der grosse Denker in der Mitte der vierziger Jahre in Moabit, einer Vorstadt von Berlin, ein ländliches Grundstück mit einem ganz einfachen Wohnhause und einem ca. 13 Morgen grossen, ziemlich wüsten Garten. Aus diesen Grundflächen entstand der jetzige Schmuckkasten.

Obwohl das Grundstück zuerst nur ein ruhiger Sommersitz sein sollte, trieb es den schaffenden Geist doch sehr bald zur Umwandelung der vorge- fundenen Verhältnisse. Natürlich konnte dem Charac^ter des Grundbesitzers entsprechend nur hervorragendes geschaffen werden.

Bei der Umwandelung der Villa und der Garten-Anlagen wirkten Capaci- täten A'on bedeutendem Ruf mit, wie Baurat Prof. Strack und General-Garten- Direktor Lenne in Potsdam, vor allem aber der schöpferische Geist des Grund- besitzers selbst. Stracks zierliche Formen in den Fagaden. Säulen etc. des Hauses sind den angehenden Architekten vielfach Vorbilder gewesen. Die Lenne'sche Landschaftsgärtnerei und ihre Schule zeigen sich auch hier im Garten characteristisch. Die herrlichen Glashausanlagen und ihren ebenso ;ingenehmen wie praktischen Anschluss an die Villa, etwas für damalige Zeit ganz neues, ihre Dimensionen und die Konstruktionen der Eisenteile verdankt man dem idealen Geist des Geh. Kommerzienrat Bors ig.

Zu jener Zeit hatte man, wie auch noch heute, oft den Wunsch, das Bild, Avie der Garten einst werden soll, schon bei der Anlage eines solchen vollendet darzustellen und suchte dies durch Pflanzen stärkerer, ja unter Umständen sogar sehr starker alter Bäume zu erreichen. Ein Beispiel dieser Art ist die auf einem grossen Rasenplatze befindliche Eiche von 3.75 m Stammumfang, welche im Laufe der Zeit nicht viel stärker geworden, als sie am Tage der Pflanzung war. Der Transport auf ca. 500 m Entfernung verursachte einen beträchtlichen Kosten- aufwand; jedoch die Pflanzung glückte, allerdings unter sorgsamer Pflege. Nach jahrelangem kümmerlichen Wachsen steht die Eiche seit langer Zeit in voller Üppigkeit da und dürfte als ein Denkmal alter Zeiten noch unzählige Beschauer erfreuen.

Dieser glückliche Erfolg war das Vorbild zu dem weiteren vielfachen Ver- setzen der alten Bäume.

Das Nützliche mit dem Schönen zu verbinden und etwas ganz Neues zu schaffen, w^ar auch bezüglich des Gartens das Ziel des Besitzers. Neben dem Wohnsitz richtete der Geh. Rat Borsig in den Jahren 1847 1849 ein bedeuten- des Eisenwerk ein und leitete das entweichende warme Kondensationswasser in den Garten, speiste zwei Weiher mit dem sonst nutzlos verlaufenden Wasser und machte durch diese Herrichtung es möglich, dass die herrlichen tropischen Wasserpflanzen, wie Nelumbium (Lotus), Nymphaeen. Limnocharis, Papyrus etc. im freien Grund dieser kleinen Gewässer ausgepflanzt werden konnten und in einer unbeschreiblichen Weise gediehen, wie sie es nicht üppiger in ihren Heimatsländern vermögen. Das waren Bilder, die vorher kein Garten in Europa aufzuweisen hatte.

Doch damit waren die grossen Ideen noch nicht erschöpft. Das grosse Palmenhaus in LIerrenhausen, die riesigen Bauten in Chatsworth, wie die all- gemeine Liebhaberei für Palmen zu jener Zeit, reiften in dem Ideengange des für grossartige Schöpfungen lebenden Mannes sehr bald den Plan, mit seinem

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Zur Geschichte des Borsig'schen Gartens in Berlin.

reizenden Wintergarten auch noch einen Palmengarten zu verbinden. Auf den Entschluss hatten, wenn auch nur nebensächlich, mit eingewirkt die vielen Schilderungen der Palmenpracht im ^"aterlande von Seiten des aus Guatemala und Bogota zurückgekehrten Reisenden Jos. von Warscewicz. der viele Arten von Palmensamen nach Europa brachte und sie Herrn Cleh. Rat Borsig, der ihm zur Ausführung seiner Reisen die Hand geboten hatte, aus Dankbarkeit zur Verfügung stellte.

Zur Ausschmückung des Palmengartens wurde Material aus den ver- schiedensten Gärten Europas l)es('hafft. ganz licsonders aber l^ot sich dazu

Abb. 2. Wintergarten der \^illa Borsig in Berlin, rechte Seite, im Hintergrund blühende Gamellien etc. Photographisch aufgenommen von L. Wittmack im März 1893.

Gelegenheit l)ei der Rückkehr des Professor Dr. Hermann Karsten aus Columbien. der viele Baumfarnstämme, zu jener Zeit seltene Einführungen in Europa, mitbrachte, ^'on diesen erwarb C-eh. Rat Borsig eine grosse Zahl und zierte damit nicht nur seinen Palmengarten, sondern unterstützte dadurch zu- gleich die wissenschaftlichen Bestrebungen, für die er .stets eine grosse Teil- nahme bezeugte.

Es konnte nicht fehlen, dass, als das Wunder der Wasserpflanzen >A'ictoria Regia« durch Robert Schomburgk in Europa von neuem eingeführt wurde (siehe Jahrgang 1892 der Gartenflora S. 651). auch in dem Borsig"schcn Garten ein

Zur Geschichte des Borsig'schen Gartens in Berlin.

<:igcncr Tempel für die Könl.nin der Wasserflora erbaut wurde. Die erste Pflanze, am 9. Mai 1852 in den Claspalast gepflanzt, gedieh ganz vortrefflich und ent- faltete bereits am 19. Juli 1852 die erste Blume. Mithin hatte der Borsig'sche Garten die Ehre, die erste Victoria Regia in Berlin zur Blüte gebracht zu haben.

Xeben dem Weltruf der Borsig'schen Dami)frosse verbreitete sich auch der Ruf, der gute Klang des Borsig'schen Gartens in alle Lande. Das ursprüng- liche idyllische Stillleben verschwand durch alle die umfangreichen Schöpfungen, und der Garten trat in den Kreis der Sehenswürdigkeiten Berlins.

Immer neue Ideen suchte der rege Geist des Geh. Rat Borsig zu ver-

Abb. 3. Wintergarten in der Villa Borsig in Berlin, Fcnsterseitc. Photographisch aufgenommen von L. Wittmack im März 1S93.

Merklichen. So pflanzte er noch Anfang Juni 1854 mit eigener Hand ein Exemplar von Araucaria Cunninghami und einExcmplar von Araucaria excelsa, um zu sehen, welche Hohe die fremden Xadelhölzer im freien Grunde bei sorgfältiger Pflege und winterlichem Schutz in Berlin, in 52° 33' nördlicher Breite und 31° 2' öst- licher Länge, erreichen würden.

Leider war es ihm nicht vergönnt, sich an den Erfolgen seiner Schöpfungen lange zu erfreuen.

Noch am 30. Juni 1854 entrollte der stets rege und denkende Geist gegen- über dem Schreiber dieser Zeilen bei Geleu-enheit seines Engagements für die

IQ Zur Geschichte des Borsig'schen Gartens in Berhn.

Verwaltung des Gartens vom i. Oktober 1854 «^t), neue Ideen betreffs Ein- richtungen im Garten, jedoch konnten die Ideen nur Ideen bleiben, denn schon wenige Tage darauf, am 6. Juli, ereilte den gewaltigen Förderer der Industrie wie der Gartenkunst der Tod.

In manchen Fällen gehen derartige Gartenanlagen und Pflanzenschätzc in kurzer Frist nach dem Tode ihres Schöpfers zu Grunde. liier aber begegnet uns der glückliche Fall, dass der Erbe des grossen Ahnen alles heilig hielt, was von dem Vater geschaffen, dass bei ihm auch die Liebe für Blumen ein characteristisches Erbteil war, dass er mit ehrfurchtsvoller, bewunderungswürdiger Pietät so ganz im Geiste des Verstorbenen handelte, was sich nicht nur auf das Grosse, sondern auch auf kleine nebensächliche Dinge erstreckte.

Ich erlaube mir aus meinem Wirkungskreise zur Bestätigung dessen folgendes anzuführen: Die Arabesken um die grosse Fontaine im Garten, wie die Blumen- arrangements vor der Loggia verursachten alljährlich viel Zeitaufwand und erforderten grosse Pflanzenmassen. Ich bat daher um die Erlaubnis zu Um- änderungen, erhielt aber die Antwort: »Die Zeichnungen sind von meinem verstorbenen Vater entworfen, ich wünsche, dass diese zum Andenken an ihn erhalten werden, so lange der Garten besteht.«

Als endlich das im Winter zum Schutze der Araucarien dienende Bretter- haus hinfällig wurde, baute der Erbe ganz im Geiste seines Vaters ein eigene.s, zunächst 14 m hohes Glashaus aus eisernem Gerippe derartig, dass bei dem weiteren Wachsen mehrere Etagen aufgesetzt werden konnten.

Noch fehlten dem Garten die überall in Aufnahme gekommenen Orchideen. Um diese Lücke auszufüllen, bot sich eine günstige Gelegenheit insofern, als nach einer Anzeige im Gardeners Chronicle Herr Hanbury in London seine namentlich an Vandeen reiche vSammlung zu veräussern beabsichtigte und zwar zu dem Preise von 2000 £ = 40000 Mk. Herr Borsig erwarb diese sensationelle vSammlung und sorgte für die Unterbringung derselben durch entsprechend grosse Glashäuser, die in dem Garten neu erbaut wurden.

Nachdem die Ausschmückung des Gartens, soweit das Pflanzenreich sie bieten konnte, den Höhepunkt erreicht hatte, wandte der pietätvolle Erbe und grosse Blumenfreund zur weiteren Ausstattung sich an das Gebiet der Künste und Wissenschaften. Nach dieser Richtung hin begann er mit der Beschaffung einer umfangreichen Bibliothek, enthaltend die vorzüglichsten Werke der englischen und französischen Gartenbau-Litteratur. Diese prächtige Bibliothek er- warb er aus demNachlasse des Buchhändlers E d u a r d H a e n e 1 , der als wissenschaft- licher Sammler beispielsweise zur Vervollständigung der ältesten Bände von Curtis' Botanical Magazine eigens nach England reiste. Alle diese kostbaren Werke der Haenel'schen Bibliothek befinden sich noch heute in dem Besitz des Borsig'schen Gartens und diese Bibliothek ist ein Juwel.

Von echt künstlerischem Geschmack zeugt eine Loggia, die Albert Borsig erbaute und mit sieben herrlichen Gemälden von Prof. Paul Meyerheim schmückte. Diese Gemälde wurden, damit sie in der offenen Halle nicht durch Witterungseinflüsse leiden möchten, von Meyerheim auf grossen schweren Kupferplatten ausgeführt, und haben sich die Farben vorzüglich gehalten. Sie stellen die Gewinnung und Verarbeitung des Eisens auf den Borsigschen Werken dar, ferner ein Erntefest auf dem Borsig'schen Gute Gross-Behnitz und die Zeit der Dampfschiffe und Eisenbahnen im Gegensatz zur alten Postkutsche.

Zur Geschichte des Borsig'schen Gartens in Berlin.

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Unsere Abbildungen stellen folgendes dar:

I.

Den Wintergarten mit einem Springbrunnen, rechts vom Eingange, der Springbrunnen, ein - Kunstwerk des Freiherrn von Prinz, darstellend die Thetis, den Knaben Achilles badend und ihn an der Ferse haltend. Im Hinter- gründe sind die grossen Camellien am Spalier und der lüngang zui Villa sicht- bar. Im A'ordergrundc sieht man blühende Rosen und Zwiebelgewächse auf schwellendem Rasen von Selaginella. DieThür links führt in das Ihblic^thekzimmer.

Abb. 4. Wintergarten an der Villa Borsig in Berlin. Linke Seite. Blick auf den Wald von

Baumfarnen (Balantium antarcticum), Dracaenen etc.

Photographisch aufgenommen von L. Wittmack im März 1893.

II. Ebenfalls Ansicht vom Wintergarten. Längs der Fensterseite, gegenüber der vorigen, ebenfalls blumenreiche Dekorationen.

III. Wintergarten, links vom Eingange. Im Vordergrunde eine blühende ßeschorneria yuccoides, im Hintergrunde ein wahrer Wald von Baumfarnen, Balantium antarcticum, noch weiter nach oben grosse Dracaena australis. Sehr schön hebt sich von dem saftigen Grün, ein .Meisterwerk der Bildhauer- kunst, ein Ziegenbock in Marmor, von Gta. Lombardi in Rom 1869 gefertigt, ab.

22 Richardia Rehmanni.

IV.

Ansicht im Palmenhause. Ein vSpringln'unncn iint;'r den Palmen, »die badende Nymphe«, ein Kunstwerk von Tandardini.

Sowohl dieses Meisterwerk, wie der Springbrunnen von Freiherrn von Prinz sind von dem letztverstorbenen A. Borsig erworben.

^^

Veranda mit Freitreppe, an die Wohnzimmer sich anschliessend, mit de- korativem Pflanzen- und Blumenschmuck, von wo aus zugleich auch die Blumen- gruppen und die Fontainen im Garten zu überblicken sind. Links die Loggia mit den berühmten Meyerheim'schen Bildern auf Kupfcrplatten.

Hatte der erste Borsig den Garten zu den Sehenswürdigkeiten und grössten Schönheiten Berlins, ja Deutschlands erhoben, so hat der pietätvolle dankbare Erbe nicht nur in dem Geiste des Vaters fortgewirkt, sondern auch den Garten zu einem Hort der Wissenschaft, der Kunst und der Littcratur erschlossen Aber auch nach dem Hinscheiden des zweiten Borsig ist der Garten nicht ohne vSchutz geblieben. Frau Geh. Rat Anna Borsig hat in demselben Sinne wie ihr verstorbener Gatte weiter gewirkt, und verstanden, den Garten auf der alten Höhe zu erhalten. Koch heute ist der Wintergarten zur Zeit, wo die Camellien blühen, ein Wallfahrtsort für Berlin. Haben doch selbst I. Maj. die Kaiserin und viele INIitgiieder des Kaiserlichen Hauses sich an dem Blumen- schmuck öfter erfreut.

Ein guter Genius waltet über dem LIause Borsig. denn die Anzeichen beweisen, dass die Liebe für den Garten, die Liebe für die Blumen ein edles Erl)teil auch der nächsten Generation ist.

Richardia Rehmanni.

Eine neue Calla mit ros;ifa rl:)iger Blütenscheide. Hierzu Abb. 7.

Im lY. Bande seiner »Botanischen Jahrbü(-her« {1S83) beschrieb Engler eine neue Aroidee. welcher er den Namen Zantedeschia Rehmanni beilegte, und von welcher dort gesagt wird (Seite 63): »Diese Art ist durch die schmalen lanzettlichen Blätter von allen bisher bekannten Arten verschieden, noch viel mehr aber durch die ein- bis zweifächerigen Beeren, wegen derer die Pflanze vielleicht als Repräsentant einer eigenen Gattung gelten könnte. Da aber die Samen selbst mit denen anderer Zantedeschien grösstenteils überein stimmen, und die Blüten der Pflanze noch nicht bekannt sind, so will ich sie lieber noch zu Zantedeschia rechnen, in welcher sie allerdings als ^'ertreter einer eigenen, gut charakterisierten L^ntergattung Oligosperma dienen kann.«

Im Juni d. J. wurden an unsere Firma, aus Süd-Afrika, Knollen einer Calla geschickt; welche rosa Spathen hervorbringen sollten. I3ie Sendung kam in sehr guter Beschaffenheit an, und wurde wie gewöhnliche Calla behandelt. Seit einigen Wochen steht eine Pflanze in voller PUüte, und wirklich zeigt sich dieselbe ganz verschieden von allen bis jetzt bekannten Arten. Zunächst fällt die zierlich geformte Spatha (Scheide) auf, welche sich in der Knospe ganz

Richardia Rehmanni.

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deutlich rosa gefär Schattierung". Die ohne die lanzett- förmigen Blät- ter. Avährend alle bis jetzt bekann- ten Arten pfeil- förmige Blätter zeigen. Es handelt sich somit um eine ganz distinktc Pflanze, von Avel- cher in der Kul- tur bis jetzt nicht die Rede gewesen war.

Herr X. E. Bro wn-Ke\v (London), der bekanntlich den Aroideen ein ein- Sprengel der eingeführt haben.

bt zeigte, nach der Entfaltung jedoch weiss war mit zart rosa merkwürdigste Eigenschaft der neuen Species bilden zweifels-

gchendes Studium gewidmet hat, meinte, imsere Pflanze sei iden- tisch mit Eng- ler's Zantede-

s c h i a Rehmanni. und eine genaue Ver- gleichung der au- thentischenExem- plare hat diese ]\Ieinungbestätigt. Nebenbei sei hier bemerkt, dass Bai Hon und spä- ter Engler den Namen Zantede- schia, welchen Richardia gegeben hatte, wieder botanischen Prioritätsgesetzes. Es ist

Abb. 5. Badende Nymphe im Palmenhause des Borsisf'schen Gartens zu BerUn.

etzigcn Gattung auf Grund des

Abb. 6. Die Veranda an der Villa Borsig in Berlin. Links Loggia.

nicht wahrscheinlich, dass im Gartenbau der altbekannte Aronskelch je Zantedeschia aethiopica genannt werden wird, obgleich ziemlich allgemein

J4 Medeola asparagoides L.

der ältere Name Calla aethiopica durch den richtigeren Richardia africana ersetzt ^vorden ist. Wir glauben daher den Gattungsnamen Richardia auch für die neue Art behalten zu müssen.

Richardia Rchmanni ist somit der erste Aronskelch mit rosa Spatha, welchen "wir kennen, und ist eine wertvolle Bereicherung dieser Gattung, deren neue gelbblühende Vertreter kürzlich die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt haben. Die oben erwähnte Pflanze wurde am ii. NoA'ember 1.893 dem Prüfungskomitee des Kgl. Niederländischen Vereins für Gartenbau und Botanik in Amsterdam zur Beurteilung vorgeführt und erhielt daselbst das Wertzeugnis erster Klasse. Obgleich als Ornamentpflanze vielleicht nicht von so grossem Wert wie die alte Aronslilie, ist Richardia Rehmanni gewiss der Vorbote einer schönen Zukunft. Es scheint uns nämlich nicht unwahrscheinlicli. dass bald auch rote und vielleicht Scharlach Calla eingeführt werden können.

Haarlem, 15. November 1893. Ernst H. Krelage.

Medeola asparagoides L/)

Spar g e 1 a r t i g e s M }' r t e n b 1 a 1 1. (Myrsiphyllum asparagoides Willd. Asparagus medeoloides Thbg.)

Von H. Schreiber, Obergärtner in Steglitz.

Auf der letzten Herbstausstellung zu Berlin, veranstaltet vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues, hatte ich eine Gruppe hochstämmiger Cuphea jDlatycentra ausgestellt. Alle aus hochstämmig gezogenen Pflanzen gebildeten Gruppen sind unstreitig eine grosse Zierde für Gärten, Parkanlagen, Winter- gärten und grössere Palmenhäuser. Erhöht wird aber der Effekt dadurch, dass man die einzelnen oft kahlen Stämme mit irgend einem unserer vielen zierlichen Schlinggewächse beranken lässt oder sie auch guirlandenartig verbindet.

Eine derartige Dekoration versuchte ich zum ersten Mal mit der leider noch A'on vielen so stiefmütterlich behandelten und doch zu allen möglichen Dekorationszwecken und Bindereien, sowie zu Tafelschmuck so sehr geeigneten Medeola asparagoides. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich nun auch, dass sie den meisten Laien und auch vielen Gärtnern nocli gänzlich unbekannt war. und da das »Smilax«, wie es in Amerika genannt wird, allgemeinen Beifall fand, wie mir zu meiner grossen Freude versichert wurde, will ich versuchen, den A'erehrten Lesern dieses Blattes etwas über die Kultur desselben mitzuteilen.

Das vom Kap stammende spargelartige, zierliche Gewächs wird aus Samen gezogen. Die beste Zeit zum Aussäen ist in der Zeit vom Januar bis März, in mit sandiger Lauberde gefüllten Samenkästen oder Schalen. Ist der Same auf- gelaufen, so werden die jungen Pflänzchen, wenn sie etwa einen Zoll lang sind, pikiert und zwar entweder wieder in Kästchen oder sogleich in kleine Töpfe,

*) Der Name Medeola wurde von Gronovius der indianischen Gurkenwurzel, Medeola Virginiana L. gegeben, wegen der vermuteten medizinischen Wirkungen, nach der Zauberin Medea Unsere Pflanze wird am besten Asparagus medeoloides Thunberg bezeichnet, da sie im Gattungscharakter ganz mit dem Spargel übereinstimmt und sich nur durch blattartige Zweige, sog. Phyllokladien, vom Spargel unterscheidet. Siehe auch Engler & Prantl, Natürl. Pflanzen- familien II, 5. S. 78. L. W.

Medeola asparagoides L.

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um sie später einzeln und in etwas grössere Töpfe nochmals zu verptlanzen. Die so behandelten Pflanzen erreichen im günstigsten Falle im ersten Jahre eine Höhe von ungefähr einem Meter. Doch erst schön und bedeutend länger werden die Ranken im zweiten Jahre, und zwar kann man die Knollen entweder auf Tabletten oder auch im freien Grunde eines temperierten Hauses auspflanzen. Die ausgetriebenen und eine Länge von 6 bis lo Fuss erreichenden Ranken

Abb. 7.- Richardia Rehmanni Hort. (Zantedeschia Rehmanni Engl).

Neue Calla mit rosa Blütenscheide.

Nach einer Zeichnung von Ernst H. Krelage.

können in einem Jahre 2 bis 3 mal geschnitten werden, nur ist dabei Rücksicht auf die immer wieder aus dem Wurzelstock erscheinenden jungen feinen Triebe zu nehmen, damit diese nicht mit den ausgewachsenen Ranken abgeschnitten werden. Am besten lässt man die Ranken an einem am Wurzelstock befestigten Bindfaden hochranken, welchen man jedesmal mit der ausgewachsenen Ranke abschneidet. Die Blüten erscheinen in den Blattachseln und geben je nach Witterung und Befruchtung in roten kleinen Beeren den vSamen. Der Charakter der Pflanze ist vollständig dem der Spargelarten gleich, und giebt

]^ (j Zur Verherrlichung der Chrysanthemum.

CS Knollen, Avclche lo bis 30 Jahi'c alt sind. Am besten ist es aber, alle 3 Jahre neue Aussaaten zu machen.

Der den IVIedeolen zum freudigen und kräftigen Gedeihen am besten zu- sagende Standort ist ein kühles Haus, bei 7 bis 10 Grad und guter Lüftung,

Da die gut ausgewachsenen Ranken sich tagelang, ohne in Wasser zu stehen, frisch halten imd nicht leicht welken, so ist es ein sehr wertvolles Material zur Binderei und zu allen Dekorationszwecken.

Will man in kürzester Frist einen Kranz, ein Kreuz oder einen Anker anfertigen, so giebt es kein besseres Material, als Medeola; auf der Tafel guirlandenartig auf dem weissen Tischtuch arrangiert, die silbernen oder Porzellan-Kandelaber damit berankt, sieht es entzückend aus, ohne viel Mühe und Arbeit zu verursachen, was doch gerade bei Tafeldekorationcn eine grosse Rolle spielt.

Während man Medeola-Ranken zu Anfang des Jahres 1893 zum erstenmale, nur vereinzelt, in einigen besseren Blumenläden Berlins zur Ausschmückung des Ladens sah, sieht man in letzter Zeit fast in allen Blumengeschäften deren in Massen imd. wie ich von vielen Blumenhändlern höre, ist es ein sehr begehrter Artikel geworden.

Zur Verherrlichung der Chrysanthemum

(Goldblume, japanisch Kiku) gelegentlich der Rüdesheimer Chrysanthemum-Schau.

Will im November neu der Lenz erblühen Und vor das Auge goldne Blumenpracht Uns zaubern in des Nordens Nebelnacht Mit bunter Farben wunderbarem Glühen?

Goldblumen sind es, die so strahlend sprühen. Aus Japan über England uns gebracht. Kühn trotzend schwachen Winterfrostes Macht, Und lohnend reich des Gärtners Fleiss und ^Mühen.

In Japan schmückt als Sinnbild ew'gen Lebens, Das Kiku stolz des Kaiserwappens Glanz, Ein Reich so alt wie keines sonst auf Erden.

Wir legen hoffend sie am Ziel des Strebens Auf teure Gräber gern als Totenkranz: O, dass unsterblich dort die Geister Averden!

Oberlehrer Gesky, Geisenheim.

Die Chrysanthemum- und Winterflor- Ausstellung in Hamburg. 17

Die Chrysanthemum- und Winterflor-Ausstellung in Hamburg vom 16.— 19. November 1893

von Fr. B— r.

In den Tagen vom 16. 19. November stand das blumenliebende Ham- burger Publikum unter dem Zeichen des Chrysanthemum, oder besser, es wurde darunter gestellt; die Fach- wie die Tagespresse hat es verstanden, die Begeisterung für dasselbe derart zu entfachen, dass ein Blumenkorb, ein Strauss oder irgend ein anderes Blumenstück ohne Chrysanthemum einfach als nicht modern angesehen wurde; man muss also wohl oder übel die Bezeichnung »Modeblume« als richtig anerkennen, obwohl wiederum ein Teil des Publikums die Verwendung dieser Blume ganz entschieden ablehnt; es muss aber immerhin anerkannt werden, dass die Chrysanthemum -Züchter in einer verhältnismässig kurzen Spanne Zeit grosse Erfolge in der Vervollkommnung der Formen und Farben erzielt haben; hiervon überzeugt uns schon ein Blick auf die aus dem Garten der Frau Etatsrat Donner, Ottensen (Garten -Inspektor Reimers, der in Berlin kürzlich Preisrichter war) ausgestellte Sammlimg von 100 Sorten abgeschnittener Blumen. Dieselbe zeigte die Entwickelung des Chrysanthemum von der einfachen, unscheinbaren Form bis 'zu den grössten, schönstgefärbten Blumen.

Als Ausstellungslokal hatte man, wie im vorigen Jahre, Ludwig's Konzert- haus gewählt. Der grosse Konzertsaal war mit Chrysanthemum und Winterflor- pflanzen gut gefüllt; auf den Gallerien fanden neben einigen Chrysanthemum- gruppen die Orchideen Platz, während in drei Nebensälen die Erzeugnisse der Binderei und die Schaublumen aufgestellt waren.

Gleich am Eingange, neben sehr starken, blühenden Callapflanzen, bildete ein Sortiment Chrysanthemum, Sommerstecklinge, wegen Formlosigkeit und unvollständiger Belaubung ein gerade nicht anziehendes Bild. Im Gegensatz zu diesem sind zwei Gruppen von Götze & Hamkens, Wandsbek, rühmend hervor- zuheben, welche mit je einer goldenen Medaille ausgezeichnet wurden. Vor dem Orchester und an einer Längsseite des Saales standen die Gruppen der Privat- gärtner, von denen der von Wriedt in Blankenese mit Recht die Auszeichnung »vorzüglich« gebührt; dieselbe war sortenreich und farbenprächtig, die einzelnen Pflanzen kurz, gedrungen und gut belaubt.

Auf dem Mittelbeete standen die einzelnen Schaupflanzen, Flochstämme von 1V2 m Höhe, einige Pflanzen der Sorte Peter the Great in Fächerform gezogen. Sämtliche Pflanzen waren ohne Tadel. Auf [dem äusseren Teile des Beetes waren die Winterflor-Pflanzen u. a. aufgestellt. Da sind zunächst einige grosse Cyclamen-Gruppen, darunter die von Berndt, Wandsbek, und Schaden- dorf, Blankenese, ausgestellten; beide Teile von gleich guter Beschaffenheit. Sehr schön dunkel gefärbt waren die Erica gracilis des ersteren, wohingegen seinen Erica hycmalis teilweise die untere Belaubung fehlte; trotzdem hatten die Pflanzen, von oben gesehen, ein gutes Aussehen. Eine Perle der Aus- stellung bildeten die von Zieger, Hamburg, gebrachten Citrus sinensis, zehn Pflanzen von ungefähr 1 1V2 m Höhe. Eines dieser Pracht-Exemplare besass fünfundsiebenzig Früchte. F. W. Böttcher, Hamburg, führte wiederum eine grössere Sammlungiseiner ausgezeichneten Amaryllis robusta (Hippeastrum

2 g Koehne's deutsche Dendrologie.

robustum) Hybriden vor. Die feine, entschiedene Färbung variierte zwischen dem schönsten dunkelen, leuchtenden Rot und einem fast reinen Weiss oder Rosa. Auch die Leistung Thalacker's, Leij)zig, der mit einer grossen Anzahl blühender Nelken erschien, war gut. Als beste neue deutsche Züchtung führte der Aussteller eine zartrosa blühende Pflanze vor; Bau der Pflanze und Blume war gut, letztere etwas gefranst, aber nicht langstielig. Die Sorten Frau Major Lehmann, Gruss an Lübeck und Anna Elisabeth sollten als drei beste neue deutsche Züchtungen der letzten drei Jahre gelten; ob dieselben das schon Vorhandene übertreffen, bleibt fraglich, das zeigt eine andere schöne, inter- essante Gruppe desselben Ausstellers, fünfundzwanzig »sich gut tragende Nelken in fünf Sorten«, bestehend aus Oriflamme, rot mit gelb; Irma, kirschrot; Le Zouave, dunkelrot; Dr. Reymond, braunrot; und Rose rivoire, rosa, sämtlich Vertreter feinster Farben. Jedenfalls ist Thalacker's Leistung anzuerkennen. Eine Aufgabe bleibt noch zu lösen die Züchtung einer wirklich guten gelben Remontant-Nelke. (Schluss folgt.)

Koehne's deutsche Dendrologie."^)

Von Dr. Dieck, Zöschen.

Vor etwa 6 Wochen ersuchte mich der Herr Redakteur dieser Zeitschrift, eine Rezension der Koehneschen Dendrologie **) zu liefern. Ich glaubte, ihm damals keinen Korb geben zu dürfen, aber ich muss gestehen, dass mir die Erfüllung meiner Zusage recht schwer wird. Da sagt wohl die gedankenlose Menge, dass nichts leichter sei, als das Kritisieren, aber wahrlich, keine Behaup- tung ist unberechtigter als diese. Nur dem Leichtfertigen fällt das Kritisieren leicht, dem ernsten und geAvissenhaften Manne wird nichts schwerer, selbst wenn er in der angenehmen Lage ist, verhältnismässig günstig zu urteilen. Er sagt sich, dass er die Arbeit von Jahren, vielleicht gar eines ganzen Menschen- lebens auf Grund einer oft doch nur flüchtigen Durchsicht beurteilen soll, während die Gerechtigkeit erfordern müsste, den Stoff zunächst einer eben- so gründlichen Durcharbeitung zu unterziehen, um das Recht zum Urteilen sich überhaupt erst erworben zu haben. Nun, es hilft nichts; in drei Tagen soll mich das Dampfross nach dem Süden, nach den Hochgebirgen Albaniens und Macedoniens zu neuen botanischen Forschungen entführen, in Länder, aus denen schon so Mancher nicht Aviederkehrte , und Angesichts dieser Thatsache bin ich geradezu verpflichtet, das gegebene Wort vorher einzulösen.

Bedurfte es einer neuen Dendrologie, trotzdem das Dippelsche Handbuch noch im Erscheinen begriffen ist und auch die für den Praktiker mit so manchen Vorzügen ausgestatteten Werke eines Jäger, Hartwig und Beissner noch nicht veraltet sind? Wenn wir gerecht sein wollen, so müssen wir die Frage mit dem Autor bejahen. Mag das DiiDpelsche Buch als ein mit seltenem Fleisse und grosser Sachkenntnis ausgearbeitetes Compendium auch noch

*) Aus Mangel an Raum verspätet.

**) Deutsche Dendrologie. Kurze Beschreibung der in Deutschland im Freien aushaltenden Nadel- und Laubholzgewächse zur schnellen und sicheren Bestimmung der Gattungen, der Arten und einiger wichtiger Abarten und Formen von Dr. Emil Koehne, Professor am Falk -Real- gymnasium zu Berlin. Mit etwa 1000 Einzelfiguren in 100 Abbildungen nach Originalzeichnungen des Verfassers. Stuttgart. Verlag von Ferdinand Enke 1893, 18«, 602 S.

Koehne's deutsche Dendrologie. ^9

SO warme Anerkennung verdienen, so ist es doch für den strebsamen jungen Dendrologen und gärtnerischen Anfänger zu weitläufig angelegt, um ihm ein praktisches und schnell förderndes Handbuch sein zu können. Koehne befleissigt sich dagegen einer an Laconismus grenzenden Knappheit des Aus- drucks, aber die Präcision und das Geschick, mit dem er gerade die zur Unterscheidung und Bestimmung der Art wichtigsten Charaktere herauszuheben und zu zeichnen versteht, scheint mir über alles Lob erhaben imd sichert seinem Buche allein schon eine weite Verbreitung und einen grossen Ab- nehmerkreis. Gegenüber diesem unzweifelhaften Vorzuge berührt eine gewisse Vernachlässigung um so peinlicher, welche der Autor sich in Bezug auf Synonymie und Pflanzengeographie zu Schulden kommen lässt und die auch mit dem Wimsche oder der etwaigen Forderung des Verlegers, sich möglichst kurz zu fassen, nicht ganz entschuldigt werden kann. In dieser Richtung macht das Buch entschieden den Eindruck der Lückenhaftigkeit und Unfertigkeit. Was zunächst die Synonymie betrifft, so verweist der Autor in seiner Vorrede für die bereits von Dippel bearbeiteten Gruppen einfach auf dessen Laubholzkunde und muthet somit seinen Lesern zu, sich jenes doch ziemlich kostspielige Werk sozusagen als Erläuterung zu dem seinigen anzuschaffen und bei jedem Pflanzennamen erst im Dippel sich über die Synonymie zu orientieren. Damit macht er die in der Knappheit seines eigenen Textes beruhenden Vor- teile seines Buches wieder zu Nichte und raubt demselben bis zu einem gewissen Grade den Ruhm der Selbstständigkeit. Bei den Vaterlandsangaben verlässt sich der Autor in ähnlicher Weise auf Andere. So vergisst er bei Quercus alnifolia, die gerade durch ihr isoliertes Vorkommen von höchstem Interesse ist, ganz und gar die Angabe ihres olympischen Wohnsitzes. Rhodo- dendron Ungerni, welches auf einen einzigen Kamm der lazischen Berge be- schränkt ist, versetzt er nach dem Kaukasus, wo die Art sicher fehlt. Eben- dort lässt er Salix amplexicaulis wachsen,